Mit vielen Fragen in ein Erstgespräch zu gehen, ist völlig normal. Was wird dort besprochen? Muss ich mich vorbereiten? Und was kostet das? In diesem Ratgeber beantworten wir Fragen, die vor einem Erstgespräch bei klaro ADHS häufig auftauchen. Du erfährst, womit Du rechnen kannst und wie Du Dich vorbereiten kannst, damit Du mit einem guten Gefühl ins Gespräch gehst.
Kurz erklärt: Das Erstgespräch bei klaro ADHS ist ein kostenloses Gespräch mit unserem Beratungsteam. Dort schilderst Du Deine Situation und Deine Fragen, und gemeinsam klärt ihr, welcher nächste Schritt für Dich sinnvoll ist. Die eigentliche Abklärung und die Therapie führen Fachärztinnen und Fachärzte durch. Eine Diagnose wird nicht im Erstgespräch gestellt.
Was passiert im Erstgespräch?
Im Erstgespräch sprichst Du mit dem Beratungsteam über das, was Dich beschäftigt, und erfährst, wie es bei uns weitergehen kann. Du erzählst, welche Schwierigkeiten Du im Alltag erlebst und seit wann es sie gibt. Daraus ergibt sich, ob eine Abklärung oder eine Therapie für Dich infrage kommt und wie wir Dich weiter begleiten.
Das Erstgespräch ist eine Orientierung und keine Diagnose. Es gibt Dir Raum für Fragen und hilft Dir einzuschätzen, was zu Dir passt. Du gehst keine Verpflichtung ein.
Muss ich mich auf das Erstgespräch vorbereiten?
Nein, nicht zwingend, aber ein paar Gedanken vorab helfen. Du musst keine Details parat haben. Im Gespräch finden wir gemeinsam heraus, was wichtig ist.
- Notiere Dir, in welchen Situationen es Dir schwerfällt, zum Beispiel bei der Arbeit, im Haushalt oder in Beziehungen.
- Überlege, seit wann Du diese Schwierigkeiten kennst, und ob es schon in der Kindheit Hinweise gab.
- Bring frühere ärztliche Berichte oder Informationen zu anderen Diagnosen mit, wenn Du welche hast.
- Denk darüber nach, ob ADHS in Deiner Familie vorkommt. Auch alte Schulzeugnisse können Hinweise geben.
- Schreibe Deine Fragen auf, damit Du im Gespräch nichts vergisst.
Wenn Du noch ganz am Anfang stehst, gibt Dir unser Beitrag ADHS-Verdacht: erste Schritte zur Abklärung eine erste Orientierung.
Fragen, die Du im Erstgespräch stellen kannst
- Wie läuft eine Abklärung ab, und wer führt sie durch?
- Welche Unterlagen oder Berichte sind für die Abklärung hilfreich?
- Was passiert, wenn sich der Verdacht nicht bestätigt?
- Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es, und wie wird entschieden, was zu mir passt?
- Wie funktioniert die Abrechnung über die Krankenkasse?
Es gibt keine dummen Fragen. Wenn Dir etwas unklar bleibt, darfst Du jederzeit nachfragen.
Wie geht es nach dem Erstgespräch weiter?
Gemeinsam entscheiden wir, ob eine Abklärung oder eine Therapie der passende nächste Schritt ist. Kommt eine Abklärung infrage, führen Fachärztinnen und Fachärzte sie durch. Nach europäischen Konsensempfehlungen gehört dazu ein strukturiertes klinisches Gespräch, in dem Beschwerden und Beeinträchtigungen im Kindes- und im Erwachsenenalter erfasst werden. Wenn verfügbar, sind Auskünfte von Angehörigen eine wertvolle Ergänzung (Kooij et al., 2019). Auch das britische NICE empfiehlt, ADHS nur von dafür ausgebildeten Fachpersonen diagnostizieren zu lassen und dabei auch andere Beschwerden zu prüfen, etwa psychische Begleitprobleme (NICE, 2018).
| Schritt | Wer | Worum es geht |
|---|---|---|
| Erstgespräch | Beratungsteam | Orientierung, Fragen klären, nächsten Schritt festlegen. Kostenlos. |
| Abklärung | Fachärztin oder Facharzt | Strukturierte Untersuchung auf ADHS und mögliche Begleitbeschwerden |
| Therapie | Fachärztin oder Facharzt | Behandlung, zum Beispiel Psychotherapie und, wenn sinnvoll, Medikation |
Wie die Diagnose in der Schweiz grundsätzlich abläuft, erklärt unser Beitrag ADHS-Diagnose in der Schweiz. Einblicke aus Sicht einer Betroffenen findest Du im Erfahrungsbericht zur ADHS-Diagnose mit 40.
Aus der Praxis
Das Erstgespräch ist bewusst niederschwellig: Du musst nichts beweisen und nichts perfekt vorbereitet haben. In der späteren fachärztlichen Abklärung fragen wir ausführlich nach Deinen Schwierigkeiten heute und nach Hinweisen aus der Kindheit. Häufig helfen dabei alte Zeugnisse, frühere Berichte oder die Sicht von Angehörigen, doch auch ohne sie lässt sich vieles klären.
Wichtig ist uns, dass wir ergebnisoffen schauen: Die Abklärung kann ADHS bestätigen, andere Ursachen aufzeigen oder beides. Auch Begleitbeschwerden wie Niedergeschlagenheit oder Ängste gehören dazu, weil sie sich mit ADHS überlagern können. Manche sind vor dem ersten Schritt unsicher. Das ist verständlich, und Fragen sind jederzeit willkommen.
Muss ich Medikamente nehmen?
Nein. Ob und welche Medikamente infrage kommen, entscheidet Dein Arzt oder Deine Ärztin gemeinsam mit Dir nach der Abklärung. Fachleute empfehlen bei ADHS im Erwachsenenalter einen mehrteiligen Ansatz mit Psychoedukation, Medikation, kognitiver Verhaltenstherapie und Coaching (Kooij et al., 2019). Das britische NICE nennt für Erwachsene, wenn eine medikamentöse Behandlung angezeigt ist, Lisdexamfetamin oder Methylphenidat als erste Wahl (NICE, 2018). Wichtig: Medikamente sind nur ein Teil der Behandlung, und Du solltest sie nie auf eigene Faust ändern oder absetzen.
Wie sicher ist die Diagnose?
Sie stützt sich auf festgelegte Kriterien und ein sorgfältiges Gespräch, nicht auf einen einzelnen Test. Fragebögen können Hinweise geben, ersetzen aber das ärztliche Gespräch nicht. ADHS tritt häufig zusammen mit anderen Beschwerden auf: Der europäische Konsens nennt für Erwachsene eine Komorbiditätsrate von 60 bis 80 Prozent über das Leben, darunter Stimmungs- und Angststörungen. Deshalb sollten alle Begleiterkrankungen erfasst werden, damit die Behandlung in der richtigen Reihenfolge erfolgen kann (Kooij et al., 2019). Eine Übersichtsarbeit beschreibt, dass depressive oder ängstliche Beschwerden eine ADHS verdecken können und umgekehrt (Katzman et al., 2017).
Was kostet das Erstgespräch, und übernimmt die Krankenkasse?
Das Erstgespräch mit unserem Beratungsteam ist kostenlos. Abklärung und Therapie führen Fachärztinnen und Fachärzte durch. Sie werden bei entsprechender Anordnung über die obligatorische Krankenpflegeversicherung (Grundversicherung) abgerechnet. Wie das im Detail läuft, erklärt unser Beitrag zur OKP-Abrechnung bei ADHS.
Wann ist ein Erstgespräch sinnvoll?
Dann, wenn Du Dich in Beschreibungen von ADHS wiedererkennst und Deine Beschwerden Alltag, Arbeit oder Beziehungen über längere Zeit belasten. Wie sich das zeigen kann, beschreibt der Beitrag Ein Tag mit ADHS. Bist Du in einer akuten Krise oder hast Du Suizidgedanken, warte nicht auf einen Termin: Wähle die 144 (Rettung) oder rufe die Dargebotene Hand unter 143 an. Auch Deine Hausarztpraxis ist eine mögliche Anlaufstelle.
Häufige Fragen zum ADHS-Erstgespräch
Muss ich schon wissen, ob ich ADHS habe?
Nein. Du musst weder eine Diagnose noch eine klare Vermutung mitbringen. Es reicht, wenn Du beschreibst, was Dir im Alltag Mühe macht. Ob ADHS dahinterstecken kann, wird erst in der ärztlichen Abklärung beurteilt. Auch wer nur ein ungutes Gefühl hat, ist im Erstgespräch richtig: Dort kannst Du Deine Fragen stellen und gemeinsam besprechen, was als Nächstes sinnvoll ist.
Was ist, wenn ich mich kaum an meine Kindheit erinnere?
Das ist häufig und kein Hindernis. Für die Diagnose werden Beschwerden im Kindes- und Erwachsenenalter erfasst, und Auskünfte von Angehörigen können helfen, wenn sie verfügbar sind (Kooij et al., 2019). Alte Zeugnisse, Berichte oder Gespräche mit Eltern oder Geschwistern können Erinnerungen ergänzen.
Reicht ein Online-Test für eine Diagnose?
Nein. Online-Tests und Fragebögen können Hinweise liefern, ob eine Abklärung sinnvoll ist. Die Diagnose stützt sich nach den europäischen Empfehlungen auf ein strukturiertes klinisches Gespräch (Kooij et al., 2019). Zudem können ähnliche Beschwerden andere Ursachen haben, etwa Depression, Angst oder Schlafmangel.
Was ist, wenn keine ADHS festgestellt wird?
Dann hast Du trotzdem etwas gewonnen: Eine Abklärung kann auch andere Erklärungen für Deine Beschwerden aufzeigen. Oft lassen sich dafür ebenfalls passende Wege finden. Die Abklärung ist ergebnisoffen, und niemand erwartet von Dir ein bestimmtes Ergebnis. Wichtig ist, dass Du am Ende weisst, woran Du bist und was Dir helfen kann.
Fazit
Das Erstgespräch ist ein erster, unverbindlicher Schritt: Du bekommst Orientierung, kannst Fragen stellen und erfährst, wie es weitergehen kann. Du musst nichts vorbereiten, aber ein paar Notizen helfen. Wenn Du bereit bist, kannst Du Dich über die ADHS-Abklärung oder die ADHS-Therapie informieren. Das Erstgespräch mit unserem Beratungsteam ist kostenlos.
Quellen
- Kooij J.J.S. et al. (2019): Updated European Consensus Statement on diagnosis and treatment of adult ADHD. European Psychiatry, 56, 14-34. cambridge.org
- NICE (2018, aktualisiert 2019): Attention deficit hyperactivity disorder: diagnosis and management (NG87). nice.org.uk
- Katzman M.A. et al. (2017): Adult ADHD and comorbid disorders: clinical implications of a dimensional approach. BMC Psychiatry. springer.com
- Die Dargebotene Hand: Telefon 143, Chat und E-Mail. 143.ch